Achtung (+) Toleranz Wege demokratischer Konfliktregelung CAP, Deutschland
Das am Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) in München entwickelte Seminarprogramm Achtung (+) Toleranz beschäftigt sich in praxisorientierter Weise mit der Frage toleranten und demokratischen Verhaltens in individuellen Konfliktfällen. Es wurde in einer vierjährigen Testphase in der schulischen und außerschulischen Bildung, mit der Polizei und der öffentlichen Verwaltung erprobt und evaluiert.
Ausgehend von praktischen Erfahrungen aus dem persönlichen Erleben und Berufsalltag werden Handlungsalternativen aufgezeigt, die es ermöglichen können, Konflikte nicht nur als Belastung, sondern als Herausforderung und Chance zur kreativen Weiterentwicklung zu begreifen. Demokratisches Verhalten im Sinne einer Anerkennung des gleichen Rechts auf die freie Entfaltung aller Menschen wird in den verschiedenen Seminarbausteinen thematisiert und auch praktisch geübt. Hierbei spielen persönliche biographische Erfahrungen sowie individuelle Wertvorstellungen eine entscheidende Rolle. Im Verlauf der Seminarwoche werden unter anderen folgende Fragen thematisiert:
Welches sind Werte und Sicherheiten, die für meine eigene Identität fundamental sind? Was sind Dinge, die ich als fremd ansehe?
Mit welchen eigenen Deutungsmustern und Vorurteilen sehe ich die Welt und welche Rolle spielen diese für den Umgang mit Konflikten?
Wo ist meine persönliche Grenze der Toleranz?
Was bedeuten Demokratie und Toleranz für meinen täglichen Umgang mit Menschen?
Auf welche Weise kann mir eine partnerschaftliche Kommunikation helfen, Regelungen für Konflikte zu finden und dennoch meinen eigenen Standpunkt zu vertreten?
Wie kann ich durch Perspektivenwechsel verschiedene Seiten eines Konfliktes erleben und Verständnis für andere Standpunkte gewinnen?
Die Beschäftigung mit diesen Fragen geschieht nicht im Sinne einer umfangreichen Wissens- oder gar Gewissheitsvermittlung; vielmehr wird durch die Anknüpfung am eigenen Alltags- und Berufsleben und die Konfrontation mit verschiedenen Wahrnehmungsmustern das Wagnis eines offenen Prozesses eingegangen. Gerade dadurch besteht die Chance, zu lernen, kompetenter innerhalb einer pluralen und vielschichtigen Gesellschaft kommunizieren und handeln zu können.
Das Seminarprogramm enthält methodische Elemente, in denen die TN selbst aktiv werden und durch die Freude am spielerischen Tun und der eigenen Reflexion eigene Wahrnehmungsmuster hinterfragen und neue Handlungsweisen ausprobieren können. Die angebotene praxisorientierte Toleranzdefinition bietet hier Orientierungs- und Verwertungsmöglichkeiten für den individuellen Lernprozess.